Der Graue Kranich

 

Kraniche gehören zur Familie der Kraniche (Gruidae) und sind große graue, stattliche Vögel mit langen Beinen und einem langen Hals. Den Kranichen ist eine majestätische Erscheinung eigen, die sie in der Bewegung und im Flug zeigen. Kraniche treten gerne in größeren Trupps auf und sind gesellige Vögel. Zu Menschen halten Kraniche jedoch einen großen Abstand.

 

 

 

Der Kranich in Europa

 

Der Kranich (Grus grus), auch Grauer Kranich genannt, ist in Europa der einzige Vertreter aus der Familie der Kraniche überhaupt.

 

Grundsätzlich ist der Kranich ein majestätischer Vogel, der den Menschen seit Jahrtausenden fasziniert. Daher wundert es wenig, daß der Kranich seinen Platz in der Mythologie der antiken Völker gefunden hat. So galt der Kranich den Ägyptern als Sonnenvogel.

 

In der griechischen Mythologie war der Kranich den Göttern Apollon und Hermes (der Götterbote) zugeordnet. Außerdem war der Kranich auch das Symbol der Wachsamkeit und Klugheit. Die sprichwörtliche Wachsamkeit leitet schon über zum Verhalten der Vögel: der Kranich ist ein absolut scheuer und sehr wachsamer Vogel. Wer Kraniche beobachtet weiß das, denn die Vögel halten einen hohen Sicherheitsabstand zum Menschen.

 

Dazu ist der Kranich ein Wappentier und gilt in der Heraldik als das Symbol für Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit. Das liegt, auch ganz offensichtlich, an der Vorsicht und Umsicht der Kraniche. Der Kranich ist das Wappentier der Deutschen Lufthansa und ist in stilisierter Form auf den Heckflossen aller Flugzeuge der Lufthansa zu sehen.

 

 

Wo brüten Kraniche? Kraniche brüten in aufgelockerten Sumpfwäldern und Feuchtgebieten mit Gewässern, Tümpeln und Gräben.

 

Sind Kraniche gesellig? Außerhalb der Brutzeit versammeln Kraniche sich in großen Flügen auf den Feldern. In Deutschland sind Kraniche zur Zugzeit sehr häufig auf Stoppelfeldern zu finden, wo sie teilweise recht große Trupps bilden. Kraniche stören sich zum Beispiel nicht an anderen Arten, wie z.B. einem Sprung Rehe, daß ebenfalls auf dem Stoppelfeld unterwegs ist.

 

Trompeten Kraniche? Allgemein kann gesagt werden, daß Kraniche ziemlich laut sind. In Gesellschaft stoßen sie trompetenartige Laute aus. Das machen sie auch, wenn Kraniche zum Trupp dazustoßen, diese Ankömmlinge werden dann lauthals begrüßt. Der Ruf der Kraniche klingt ähnlich "kruu". Kraniche rufen auch im Flug.

 

Tanzen Kraniche? Kraniche tanzen tatsächlich, wobei auch mit den Flügeln schlagen. Das Tanzen ist gehört teilweise zur Begrüßung der Artgenossen dazu.

 

Wie scheu sind Kraniche? Kraniche sind allgemein sehr scheu, das gilt zu allen Zeiten, im Brutgeschäft und auch außerhalb der Brutzeit. Der graue Kranich gilt allgemein als sehr scheu und auch sehr wachsam. Ähnlich den Gänsen, gibt es auch bei den Kranichen Tiere, die im Trupp aufpassen, was in der Nähe passiert. Wenn alle Kraniche in einem Trupp die Köpfe heben, gilt das als sicheres Zeichen, daß die Vögel beunruhigt sind. Mit einem Abflug der ganzen Gruppe ist dann auch kurzfristig zu rechnen. Dieses Verhalten ist sehr ähnlich den Gänsen. Eine sichere Entfernung für die Beobachtung des Grauen Kranichs ist eine Entfernung von 200-300 Meter. Diese Entfernung sollte nicht unterschritten werden. 

 

kranich diepholzer moor flug
Kraniche im Diepholzer Moor
kranich flug diepholzer moor
Kraniche im Diepholzer Moor
kranich flug diepholzer moor
Kraniche im Diepholzer Moor

 

Den Kranich beobachten

 

Kraniche sind in Deutschland selten. Die Tiere wirken in ihrem ganzen Verhalten sehr majestätisch und bewegen sich mit einer gewissen Grazie. In Deutschland können wir Kraniche während der Zugzeit am Besten zu Gesicht bekommen: Im Frühjahr auf dem Frühjahrszug in die Brutquartiere und im Herbst auf dem Herbstzug in die Winterquartiere.

 

Kraniche brüten in Waldmooren, Sumpfgebieten und Bruchwäldern. Gebrütet wird auf einem Bodennest aus aufgehäuften Pflanzenteilen.

 

Überwinterung in: Mittelmeerraum, z.Teil in Spanien und Frankreich, Nordafrika; östliches Mittelmeer und Schwarzmeergebiet

 

Brutgebiete: Nordosteuropa, Ostseestaaten (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Baltikum, Weißrussland, Russland). 

 

Über einen schmalen Flugkorridor ziehen die Kraniche durch Deutschland und gelangen über die Vorpommersche Boddenlandschaft in die Brutgebiete in Skandinavien, Polen, Baltikum Weißrussland und Russland.  Es bleiben auch kleine Brutpopulationen in Deutschland, z.B. in Pommern oder im Duvenstedter Brook (Hamburg). Das Duvenstedter Brook wird inzwischen auch als Raststation während der Zugzeit genutzt. Seit der Renaturierung der der Diepholzer Moorniederung gibt es auch dort inzwischen Brutvorkommen. 

 

beobachtungsturm rehdener geestmoor
Beobachtungsturm im Rehdener Geestmoor
rehdener geestmoor
Rehdener Geestmoor

rehdener geestmoor
Rehdener Geestmoor
rehdener geestmoor
Beobachtungsturm im Rehdener Geestmoor

 

Beobachtungsmöglichkeiten für den Kranich

 

Gute Beobachtungsmöglichkeiten während der Zugzeiten sind die Diepholzer Moorniederung, Groß Mohrdorf, Kargow, Zingst in der Vorpommerschen Boddenlandschaft und auch in Brandenburg im Großraum Angermünde / Schwedt.

 

In der Diepholzer Moorniederung gibt es mehrere feste Beobachtungspunkte (Aussichtsturm), von denen aus Kraniche ungestört beobachtet werden können:

  • Arkeburger Str. 22, 49424 Goldenstedt - Großes Moor bei Barnstorf loc
  • Moordamm 7-10, 49453 Hemsloh - Rehdener Geestmoor loc
  • Hochmoorweg 10, 49419 Wagenfeld - Neustädter Moor loc
  • Salle, 31066 Wamsen (Uchte) loc
  • Darlaten 55, 31600 Wamsen (Uchte) loc
  • Moor 17, 32351 Oppenwehe - Oppenweher Moor loc
  • Deckertau, 27259 Freistatt - Mittlere Wietingsmoor loc

 

Der Link Maps Location (loc) verbindet mit der externen Seite Google Maps und zeigt die ungefähre Position des Gebietes.

 

Die meisten Beobachtungsmöglichkeiten bieten sich im Rehdener Geestmoor. Tagsüber können Kraniche auf den Stoppelfeldern und auf den Wiesen beobachtet werden. Das Auto ist hierbei auch gleich das mobile Tarnzelt. Steigt nicht aus, sondern beobachtet die Vögel aus dem Fahrzeug heraus. Das gilt auch für Naturfotografen. Da die Tiere sehr scheu sind, liegt die sichere Beobachtungsentfernung bei 300 Metern.

 

Zum Fotografieren eignen sich auch Bridgekameras mit Brennweiten bis 1200 mm, besser sind DSLR oder DSLM mit lichtstarken Festbrennweiten ab 500 mm. Bei Bridgekameras solltet Ihr auf manuellen Modus gehen und den Blitz ausschalten. Bitte überhaupt nicht blitzen, da das die Tiere erschreckt und zum Abflug bewegt. 

 

In den Aussichtstürmen liegt in der Regel auch ein Infoblatt zum Beobachtungsgebiet zum Mitnehmen aus.

 

Der BUND unterhält im Bereich Diepholzer Moorniederung einen mobilen Beobachtungsstand. Dieser Beobachtungsstand steht während der Zugzeit an den jeweils besten Orten für Beobachtungen. Der aktuelle Ort ist der BUND-Mitteilung im Web zu entnehmen. Der Link für zur externen Seite des BUND.

 

 

rehdener geestmoor
Rehdener Geestmoor
kraniche diepholzer moorniederung
Kraniche in der Diepholzer Moorniederung
kraniche diepholzer moorniederung
Kraniche in der Diepholzer Moorniederung

 

Regeln für die Kranichbeobachtung

 

Wenn Ihr die Kraniche beim Flug zu den Schlafplätzen beobachten wollt, dann seid mindestens 1 Stunde vor Sonnenuntergang am Beobachtungspunkt. Die Zeit für den Fußweg zum Beobachtungspunkt müsst Ihr in die Zeitplanung einrechnen.

 

  1. Nutzt die festen Beobachtungseinrichtungen, um die Kraniche beim Einflug in die Vorsammelplätze und Schlafplätze zu beobachten.
  2. Ruhe bewahren und warten.
  3. Zur Beobachtung eignen sich lichtstarke Ferngläser 8x56 (Nachtglas) oder auch 10x42 eventuell auch 15x42. Es ist empfehlenswert, ein Spektiv (30x80) zu benutzen; am Besten das Spektiv auf ein Stativ setzen, weil das stabiler ist.
  4. Fotografieren ist nur mit sehr lichtstarken Festbrennweiten möglich, solange die Belichtungszeit eine Aufnahme noch möglich macht. Über ISO 1600 sind die Aufnahmen bereits unbrauchbar. Dann beschränkt Euch lieber auf das Beobachten.
  5. Immer Abstand halten. Die Fluchtdistanz ist sehr hoch. Im Regelfall mindestens 200 bis 300 Meter.
  6. Alle Köpfe hoch bei den Kranichen bedeutet: Die Tiere fühlen sich erheblich gestört. Mit einem Abflug der ganzen Gruppe ist zu rechnen. Also stört die Tiere nicht.
  7. Tagüber Beobachtung aus dem Auto heraus. Dann sind die Kraniche auf den Feldern bei der Nahrungssuche.

 

 

Kranichbeobachtung am Oppenweher Moor

 

kranich oppenweher moor
Kraniche über dem Oppenweher Moor
beobachtungsstand oppenweher moor
Beobachtungsstand am Oppenweher Moor
kranich oppenweher moor
Kraniche über dem Oppenweher Moor

oppenweher moor
Das Oppenweher Moor nach einem Regenschauer
beobachtungsstand oppenweher moor
Beobachtungsstand am Oppenweher Moor

 


 

Artensteckbrief Grauer Kranich

 

Verbreitung Lebensraum Kennzeichen Fortpflanzung Nahrung

 

 

Systematische Einordnung:

Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)

Familie: Kraniche (Gruidae)

Unterfamilie: Echte Kraniche (Gruinae)

Gattung: Graue Kraniche (Grus)

Art: Kranich 

 

Beschreibung

Wissenschaftlicher Name: Grus grus

Artname in Englisch: Common crane

Artname in Französisch: Grue cendree.

 

Vorkommen / Verbreitung: Nordosteuropa, Ostseestaaten (DK, NO, SE, Fl, Baltikum, Weissrussland, Russland.

 

Wanderungen: Überwiegend Sommervogel / Langstreckenzieher

 

Überwinterung: Mittelmeerraum, z.Teil in Spanien und Frankreich, Nordafrika, östliches Mittelmeer und Schwarzmeergebiet.

  

Lebensraum: aufgelockerte Sumpfwälder mit Gewässern, Tümpeln, Gräben, Kleine Gewässer mit Inseln

 

Außerhalb der Brutzeit ist der Kranich auf Wiesen, Weiden und abgeernteten Feldern (in Norddeutschland meistens abgeerntete Maisfelder) anzutreffen.

 

Verhalten: tagaktiv

 

Besondere Eigenschaften: Kraniche tanzen und begrüßen sich mit hoch erhobenem Kopf. Diese Balzrituale werden auch außerhalb der Brutzeit durchgeführt und können auch bei großen Gruppen von Kranichen beobachtet werden. Außerhalb der Brutzeit ist der Kranich sehr gesellig und versammelt sich gern in größeren Flügen von teilweise mehreren hundert Tieren.

 

Der Kranich ist extrem scheu. Die Fluchtdistanz zum Menschen beträgt durchschnittlich ca. 300 m. Gegenüber anderem Wild, wie z.B. Rehen, zeigen die Kraniche überhaupt keine Berührungsängste. Rehe stehen beim Äsen teilweise direkt neben den Kranichen.

 

Kennzeichen: Sichtbar größer als ein Storch. Farbe ist überwiegend grau (Körper und Flügel). Eine Besonderheit sind die sichelartig über den Schwanz herunterhängenden Schirmfedern (innere Armschwingen).

 

Kopf und Hals mit schwarzer Frontpartie, Stirn schwarz, weißer Streifen zieht sich vom Auge seitlich abwärts über den Halsrücken. Der Scheitel ist rot, dahinter beginnt ein kurzer schwarzer Streifen bis an den Hinterkopf.

 

Im Flug werden die langen Beine über den Schwanz hinausgestreckt.

 

Juvenile sind einfarbig grau mit graubraunem Kopf

 

Größe: 96-119 cm; Körper alleine 55-65cm

Gewicht: ca. 6 kg

Spannweite: 180-222 cm

 

Stimme: trompetenartige Rufe, Kraniche sind sehr ruffreudig, besonders in Gesellschaft. Die Rufe sind laut und über weite Entfernung zu hören. Stimme kling so ähnlich wie „krruuu“

 

Geschlechtsreife: drittes bis fünftes Lebensjahr, dann auch erste Brut. Es sind auch Fälle bekannt, wo sich Kraniche schon im zweiten Lebensjahr verpaarten; möglicherweise dann auch schon ein Brutrevier besetzten.

 

Paarungszeit: Kraniche balzen das ganze Jahr über. Das Balzverhalten nimmt allerdings ab März zu; monogam, lebenslange Verbindung

 

Nestbau: April-Mai

Bruten: 1 Jahresbrut

 

Brutzeit/Legezeit: (Anfang März) meist Anfang/Mitte April – Ende Juli (August), 

 

Nest: Bodenbrüter. Das Nest selbst ist der Mittelpunkt des Brutreviers. Zum Nestbau werden die Pflanzen im direkten Umfeld des Nestes verwendet (Radius von ca. 10 m). Als Nistmaterial kommen Schilf, Röhricht, Binsen, Riedgräser etc. zur Verwendung. Entscheidend ist der Bewuchs um den Nistplatz.

 

Nistplatz: Nest am Boden im feuchten, meistsens sumpfigen Gelände. In Deutschland werden bevorzugt Wälder bzw. Waldränder genutzt.  

 

Gelege: 2-(3) Eier. 

 

Nachgelege: möglich bei Gelegeverlust

Eiablage: März-Mitte April

Legeabstand: 2-3 Tage

Brutbeginn: mit Ablage des letzen Ei,

 

Bebrütung: Die Bebrütung ist durch Brutpausen gekennzeichnet. Durchgehend wird zwischen 1,5 bis 4,5 Stunden gebrütet; abhängig von Wetterbedingungen und Temperaturen. Die Altvögel wechseln sich beim Brüten ab. Tägliche Bebrütung über ca. 12 Stunden.

 

Brutdauer: 29-31 Tage, beide Altvögel brüten 

 

Gelegeverluste: in der Regel 20-30%; Ursachen sind meistens fallendes Niveau des Wasserpegels, Räuber wie Fuchs, Marder

 

Nestlingsdauer: Nestflüchter. Jungvögel können nach 1 Tag sicher stehen und selbständig gehen. Spätestens nach dem zweiten Tag werden die Jungtiere vom Nest weggeführt. Beide Altvögel kümmern sich um die Jungen und füttern auch gemeinsam.

 

Ernährung der Jungvögel: die Altvögel füttern die Jungen anfangs mit Insekten, Larven, Würmer oder Schnecken.

 

Flügge: nach ca. 10 Wochen.

 

Nahrung: Samen, Insekten, Würmer, Kleinsäuger, Nagetiere, Amphibien (Frösche), Kartoffeln, Mais

 

Lebensdauer: ca. 20 Jahre

 

Feinde: Fuchs, Sauen, Krähen, Seeadler, Mensch

 

Jagdzeit: Nein. Naturschutz